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| Drachenstation am Bodensee | Aufstieg an der Station |
Es wurden Hargrave Drachen einfachster Konstruktion von 3 m2 Fläche benutzt. Es dauerte noch 6 Jahre bis im
Jahre 1908 bis die Drachenstation am Bodensee unter Kleinschmidt am 1. April ihren regelmäßigen Betrieb aufnehmen konnte.
Am 11. Juli 1908 wurde die Drachenstation am Bodensee mit dem Drachenboot "Gna" (27 m lang) von seinen
Köngl. Majestäten von Würtemberg mit einer Probefahrt eingeweiht.
Aufstiege mit Drachen oder Fesselballons erfolgten fast an jedem Tag. Der wichtigste Bestandteil war das
Drachenboot " Gna " ( " Gna " ist eine der Botinnen von Odins Gemahlin Frigg, ihr Ehemann ist sowohl
die Luft als auch das Wasser ) von dem aus sämtliche Aufstiege, auch die im Hafen vorgenommen wurden.
Es wurden Drachen vom Typ Hargrave und Marvin eingesetzt, ihr Aussehen erinnert an eine Kommode ohne Schubladen und Hinterwämde.
Welche Aufgaben hatte eine Drachenstation?
Der physikalische Zustand der Atmosphäre war in erster Linie durch die räumliche Verteilung der Luftmassen, ihre Temperatur und Strömungsverhätnisse, den Wasserdampfgehalt und die Bedingungen für seine Kondensati-on zu Wolken und Niederschlägen bestimmt; zu diesen letztgenannten Bedingungen gehören der Staubgehalt und die Anwesenheit gewisser Gase und freier Elektrizitätsmengen. Werden diese Faktoren an vielen Orten und in kurzen Zeitabständen gemessen, so ergibt sich ihre räumliche und zeitliche Änderung. Einige von ihnen lassen sich an der Erdoberfläche bestimmen, z. B. der Luftdruck, durch den die gesamte, über die Beobachtungsorte gelegene
Luftmasse gegeben war. Aus ihm kann man weiter auf die Bewegung der höheren Luftschichten mit einiger
Sicherheit schließen. Auch die von der Erde aus vor vorgenommene Messung von Wolkenhöhe, -Zugrichtung und -Geschwindigkeit gab Aufschluß über die Strömungsverhältnisse in der entsprechenden Höhe. Eine wirklich genaue Feststellung des gesamten physikalischen Zustandes war jedoch nur dadurch möglich, daß die einzelnen Elemente
im Luftmeere selbst gemessen wurden. Den Teil der Meteorologie, der sich mit diesen Aufgaben befaßt,
nannte man " Aerologie " .
Eingestzte Drachen an der Drachenstation |
Vor jeder Ausfahrt wurde durch einen Pilotballon oder durch Messung des Wolkenzuges festgestellt, wie die Windverhältnisse in der Höhe sind. Wenn sich die Pilotbeobachtung auch nur bis zur unteren Wolkengrenze
erstreckt, so genügt sie doch zur Entscheidung, erstens ob Drachen oder ob der Ballon mitzunehmen waren, und zweitens, von welcher Stelle des Sees aus die Aufstiege zu beginnen hatten, damit die erforderliche Bewegungsfreiheit vorhanden war.
Da, wie gesagt, meist der Fesselballon verwendet wurde und die vorherrschenden Winde aus SW bis W wehten,
mußte in der Regel zunächst ans Schweizer Ufer gefahren werden. Das war auch oft notwendig, wenn bei stürmischem Westwind Drachen aufgelassen werden sollen. Denn dann herrschte vor Friedrichshafen oft ein derarti-ger Seegang,
daß Arbeiten auf dem Schiff und das Manövrieren sehr schwer waren; unter dem Schutze des Schweizer Ufers war dagegen der See ziemlich ruhig.
Auch, war es in solchen Fällen oft angezeigt, beim Einholen mit dem Winde zu dampfen, um allzu große Windstärken künstlich zu vermindern und damit auch die Gefahr von Abreißern und Abstürzen. Früher war übrigens ein Abreißer, besonders wenn er einen Ballon betraf, meist eine harmlose Suche, da der Flüchtling fast stets auf-gefunden und mit Instrument zurückgeleitet wurde. Das war später leider anders geworden. Die in Deutschland herrschende Stoffknappheit mußte wohl dafür verantwortlich gemacht werden, daß die sonst so ehrlichen Finder jeden
entflogenen Ballon als willkommen Beute betrachteten. Dadurch sind die Anschaffungskosten in ganz phantastischer Weise gestiegen.
![]() Die Drachenstation mit Drachenboot. |
Wenn die Verwendung eines Schiffes für die Ausführung von Fesselaufstiegen von außerordentlichem Wert war,
ja einen einigermaßen regelmäßigen Betrieb erst ermöglichte, so standen diesen Vorteilen doch auch Nachteile gegenüber. Einer davon war der, daß zu jedem Aufstiege mindestens fünf, besser sechs Mann erforderlich waren, während Landstationen mit zwei bis drei Mann auskamen. Deshalb war es für eine Schiffsstation sehr kostspielig,
sich Ablösungsmannschaften zu halten, wie sie z. B. für Durchführung des Dienstes an Sonn. und Feiertagen
erforderlich waren. Bei der Drachenstation konnte der Sonntagsdienst nur während einiger Jahre aufrecht erhalten werden. Weiterhin wirkte der Umstand störend, daß das Schiff nicht dauernd unter Dampf gehalten werden konnte. Jeder Aufstieg mußte also längere Zeit vorher angeordnet werden.
Hätte der normale Frühaufstieg (zwischen 6 und 8 Uhr vormittags) z. B. wegen Regens nur eine geringe Höhe
erreicht, so ließ sich ein weiterer Aufstieg nicht einschieben, wenn sich einige Stunden später das Wetter plötzlich
bessern sollte. In diesem Punkte wäre ein Motorboot einem Dampfboot erheblich überlegen; seine viel geringere Betriebssicherheit und seine kürzere Lebensdauer schließen aber die Verwendung eines solchen Bootes aus.
Ein dritter, sehr bedauerlicher Übelstand beim Schiffsbetrieb sind die notwendigen Instandhaltungsarbeiten am Boote; ihretwegen mußten die Fesselaufstiege jährlich für etwa sechs Wochen ganz ausfallen. Um ihn zu be-seitigen,
war für Oktober 1914 eine Konferenz der zu den Kosten beitragen den Staaten bereits angesetzt, auf der die Beschaffung eines zweiten Drachenbootes beraten werden sollte. Der Krieg hat diese Pläne für lange vereitelt.
Soviel geht jedenfalls aus dem Gesagten hervor, daß sich die dem Schiffsbetrieb anhaftenden Mängel fast alle
durch Vermehrung der Geldmittel beseitigen ließen.
Der Bodensee, der die Basis regelmäßiger Drachenaufstiege werden sollte, ist 63,5 km lang -von Bregenz bis
zum Einfluß der Stockach - und bis zu 14 km zwischen Egnach und Friedrichshafen breit; er bedeckt etwas über
500 km2 Bodenflläche und liegt im Mittel 395 m über dem Meere. Man kann also schon annehmen, daß diese
gewaltige Wasserfläche auch auf die höheren Schichten unserer Atmosphäre großen Einfluß ausübt.
Jedoch war dies nicht der einzige Grund, die aerologische Station gerade an den Bodensee zu verlegen, sondern
Man wollte sich der Wasserfläche bedienen, um Drachen mit Hilfe eines be-sonders dazu gebauten Bootes in die
Luft zu bringen. Während man bei ruhigem Wetter kleine Fesselballons dazu benutzen konnte, die Registrierapparate hoch zu heben, war das Arbeiten mit Aerostaten schon bei geringen Windgeschwindigkeiten von etwa 4-6 m in der Sekunde eine Unmöglichkeit. Die Ballons wurden von der Luftströmung derartig seitlich zur Erde nie-dergedrückt,
daß der Zweck, in größere Höhen zu kommen, nicht erreicht werden konnte. Wenn der Wind eine Geschwindigkeit
von etwa 8 m und mehr in der Sekunde erreicht hatte, vermag man mit Drachen die Meßinstrumente in die Luft zu lancieren, wobei man schon bis in Höhen von über 6000 m gekommen war. Das Schwierigste war es bei einer Wind-geschwindigkeit von 4-8 m in der Sekunde die meteorologischen Arbeiten auszuführen.
Die Luft-bewegung war schon zu stark, um Ballons zu benutzen, anderseits war sie zu schwach, um Drachen emporzubringen. Wenn man im Besitze eines schnellfahrenden Bootes war, vermag man sich aber auch bei ruhigem Wetter den zum Heben der Drachen erforderlichen Winddruck durch schnelle Fahrt selbst zu schaffen. Das Schiff
fuhr mit voller Geschwindigkeit über den See möglichst genau gegen den wenn auch schwach wehenden Wind und brachte so die Drachen in die Luft. In größeren Höhen pflegte meist der Wind etwas zuzunehmen, so daß man später, wenn man über die schwach bewegten Schichten hinaus war, die Fahrt des Schiffes einstellen, beziehungsweise verringern konnte.
Für die Station am Bodensee war auch eine kleine Ballonhalle gebaut, die zur Aufnahme der Aerostaten, der Stahlflaschen mit dem Wasserstoffgas und anderer für die Ballonaufstiege erforderlichen
Utensilien diente. Diese Einrichtung sollte zwar im allgemeinen nicht zur Anwendung kommen, aber sie war
vorgesehen für die Fälle, in denen etwa das Boot nicht betriebsfähig war.
Seit 1918 macht sich leider ein Rückgang der Leistungen bemerkbar. Die Zahl der Aufstiege mußte wegen Koh-lenknappheit eingeschränkt werden, und die erreichten Höhen erfuhren eine Herabsetzung durch
Verschlechterung des Ballonmaterials und vor allem auch dadurch, daß zur Vermeidung von Abreißern stärkere
und damit schwererer Drachendraht verwendet werden mußte.
1934 arbeitet die Drachenstation am Bodensee im erweiterten Umfang als Aeronautisches Observatorium Friedrichshafen am Bodensee bis im Jahre 1942 das Aerologische Observatorium Friedrichshafen infolge der Kriegseinwirkung seine Tätigkeit bis auf weiteres einstellen mußte.
Ballonaufstieg auf dem Drachenboot |
Das Setzen und Bergen der Drachen an Bord des Dampfboots "Gna"
Die Einrichtungen, welche auf der "Gna" zum Setzen und Bergen der Drachen getroffen waren, sind in ihrer
Anordnung aus der anliegenden Zeichnung zu ersehen. Die Manöver sind in der von E. Kleinschmidt angegebenen
Art beschrieben. Der an Deck zum Arbeiten zur Verfügung stehende Raum war außerordentlich beschränkt.
Von Achterkante Mast bis Vorkante Azimutrolle war er 6.0 m lang, vorn 3.4 und hinten 2.6 m breit. In diesem
Raume lag außerdem noch das Drachenluk, welches zwar teilweise zugedeckt war, aber immerhin noch eine
Öffnung von 2.4 mal 2.1 m aufgewiesen hat, die vom vorhandenen Platz in Abzug gebracht werden mußte.
An Personal standen nur drei Personen zur Verfügung während es eigentlich vier sein sollten.
Das Setzen.
Zum Setzen der Drachen wurde im allgemeinen in den Wind gegangen, wobei die Fahrt unter Berücksichtigung
der Steuerfähigkeit so zu regeln war, daß der betreffende Drachen den für ihn erfahrungsgemäß günstigsten Wind vorfinden sollte. Dabei hatte man natürlich beim ersten Drachen den größten
Spielraum, bei den Hilfsdrachen war außerdem der jeweilige Zug zu berücksichtigen, der von den schon stehenden Drachen ausgeübt wurde.
Der Vorlauf wurde in die Hahnepot und, beim Apparatdrachen, in die Endkausch des Drahtes oder, beim
Hilfsdrachen, in die Klemme eingepickt und an einer Klampe in der Nähe der Azimutrolle aus der Bucht belegt.
Er wurde dann aus der Bucht in den Klappblock des Vorlaufaufholers gelegt und bis etwa
1 m unter den Block im Topp geheißt. Nr.1 bediente dabei Aufholer und Niederholer und leitete das Manöver,
Nr. 2 bediente mit der rechten Hand die Bucht des Vorlaufs, mit der zweckmäßig Törm genommen wurde, mit
der linken Hand faßte sie den Drachen. Nr.3 hielt den Drachen. Auf Kommando wurde nun der Drachen seitlich hinausgesetzt und losgelassen, worauf er stieg. Stand der Drachen in dieser Stellung ruhig, so wurde weiter gemacht, anderenfalls wird er wieder geborgen. Stand der Drachen gut, so wird durch Nr. 3 die Bucht des Vorlaufs von der Klampe losgenommen und der Vorlauf durch Nr. 2 Hand über Hand aus der Bucht gefiert, wobei Nr. 2 langsam
nach achtern gegangen war.
Dann wurde durch Nr. 1 der Aufholer gefiert. Nachdem nun durch Nr. 3 der Klappblock des Aufholers vom
Vorlauf abgenommen war, war der Drachen klar zum Aufstieg.
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| Die Drachen werden gesetzt zum Aufstieg |
Das Bergen.
Dies vollzog sich zunächst meist ebenfalls im Wind. Nr.1 heißte etwas an, so daß Nr. 2 unterhalb des Klappblocks
den Vorlauf fassen konnte. Nr.1 und 2 holten nun gleichmäßig ein, wobei Nr. 2 langsam nach vom ging.
Nun fierte Nr.1 den Aufholer langsam mit, bis Nr. 3 die Fangleine fassen konnte.
An dieser wurde der Drachen unter Einholen des Vorlaufs und Fieren des Aufholers mit dem Unterteff nach vorn gezogen, von Nr. 3 und Nr. 2 erfaßt und ins Luk hinuntergeschoben. Man konnte, was bei Seegang oder viel Wind
von großer Wichtigkeit war, das Bergen wesentlich unterstützen, indem man das Boot vor den Wind drehte,
wenigstens annähernd, und den Wind ausdampfte.
Drachenboot "Gna" |