Will Yolen

der Meister aller Drachen

1961

 
 
 

Bei meinen Nachforschungen über die Geschichte des Drachen bekam ich vor einigen Tagen folgenden Bericht über den amerikanischen Drachenpionier Will Yolen und Fotos von Francis Rogallo in die Hände die ich den Lesern des Drachenarchives nicht vorenthalten möchte.

In der Zeitschrift Populare Mechanik steht 1961 folgender Bericht von Will Yolon den Meister aller Drachen, über Ihren Vater schreibt Yane Yolen folgendes.
Mein Vater hat einmal einen Liliputaner an einem Drachen über den New Yorker Central Park fliegen lassen und sich mit indischen Drachen herumgeschlagen, die rasiermesserscharfe Krallen aufweisen.
Hier ist seine Geschichte.
Dreitausend Männer Frauen und Kinder drängten sich an einem windigen Märztag des vergangenen Jahres in
Compo Beach an der Nordküste des Long Island Sound bei Westport.
Yolens Modell hat eine Oberflächge von ca. 13 m 2 .Sie warteten darauf, daß der größte Drachen der Welt stieg, fast 13 m2 Segeltuch umspannten den Rahmen. (Der " Space Kite " beruht auf einer Konstruktion der Franzosen im ersten Weltkrieg ; damals wurden mit diesem Drachen Leuchtsignale oder Soldaten zu Beobachtungszwecken über die feindlichen Linien gebracht.) Der Mann hinter der flächengroßen Winde und der kilometerlangcn Schnur von der Stärke einer Wäscheleine, an der das riesige Gebilde hing, war Will Yolen, die untersetzte Ausgabe (1,63 m) eines Public Relation-Fachmanns. Außerdem ist er Amerikas Fachmann Nummer 1 im Drachenbau und mein Vater war der erste, der Angelruten und -spulen im Drachenbau benutzte und vertritt heute mit Nachdruck die neueste Entwicklung, die " nicht-starren " Drachen. Er ist bekannt dafür daß ihm bei Drachen nichts gut genug ist. Bei seinen letzten Versuchen schlug er sich mit riesigen Gebilden aus Nylon und 3,60 langen Bambusstäben herum. Sie sahen aus wie das Modell, das an jenem Tag in Compo zum ersten Mal aufsteigen sollte.
Es war ein solches Gewirr aus Stoff und Holz, daß einzig und allein eine Firma aus New Haven den Drachen richtig bauen konnte, die an sich wegen der Segel bekannt war, die sie für seetüchtige Yachten herstellte.
Bei dem großen Startversuch in Westport war sogar die Polizei zugegen. Obwohl es in Westport tatsächlich von Gesetzes wegen verboten ist, Drachen steigen zu lassen, weil eine alte Bestimmung besagt, daß dadurch die Pferde scheu würden, befaßte sich hier die Polizei nur damit, die Menschenmenge im Zaum zu halten.
So viel Aufruhr um einen Drachen ist in unserer Familie nichts Neues. Mein Vater bastelt schon jahrelang an neuen Drachenmodellen herum, und die Zuschauer haben mit häßlichen Randbemerkungen, Hohn und Spott so wenig gespart wie mit Anerkennung. Meinen Vater rührte das alles nicht. Vor gar nicht langer Zeit wurde er im New Yorker Central Park festgenommen, weil er versucht hatte, einen Liliputaner an einem großen Drachen aufsteigen
zu lassen. Der dicke Polizist, der ihn dabei aufhielt, war fast hysterisch. " Mister " bellte er, " in meinem Revier fliegt kein Liliputaner an einem Drachen im Central Park herum ! "
Yolen zieht an seinem  Space Kite  die Schnur hat er sich um den Leib gewickelt , damit sie immer gespanntEs endete damit, daß er samt Drachen und Liliputaner des Parks verwiesen wurde.
Wir zogen dann später nach Connecticut.
Bei einer anderen Gelegenheit geriet eines seiner Sorgenkinder in eine steife Brise, hob ihn und seine drei Bekannten fast 100 m weit in den Long Island Sound hinaus und zerrte die ganze Mannschaft ins Wasser.
" Deswegen braucht man für die großen Modelle sechs Männer, erklärte er.
" Wenn ich einen solchen Drachen allein steigen ließe, würde er mich ohne weiteres über Long Island bis nach Gander bringen und dabei einen mehr oder weniger großen Kreis beschreiben.
Mein Vater gibt ohne weiteres zu, daß er der Meister der westlichen Welt im Drachenflug ist. Man braucht ihn dazu gar nicht erst lange zu ermutigen. Er steht an der Spitze der amerikanischen Mannschaft, die im vergangenen Jahr in Nassau über ein ganzes Aufgebot von internationalen Drachenfliegern triumphierte. Daraufhin organisierte er ein eigenes Drachenfest.


 
 
 
 
 
 
 

Am Sonntagnachmittag sieht der Vorgarten aus wie die Überreste von einem Picknick am amerikanischen Unabhängigkeitstag . Yolen (sitzend) und ein paar Bekannte setzen Drachen zusammen.
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Vielleicht wird diese Sportart einmal populär:
Man treibt auf einer Luftmatratze im Wasser und hat den flexiblen Drachen über eine Angelrute fest in der Hand Mit Hilfe der Aufspuleinrichtung kann man ihn immer auf den richtigen Kurs halten.
(Auf der Luftmatratze sind Francis Rogallo und seine Frau zu sehen.)
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 

Das Neueste im Drachenbau ist der biegsame „ Flexikite „  der aus Kunststoff hergestellt wird. Auf dem Foto ist sein Erfinder, Dr. Francis Rogallo mit seiner Frau  zu sehen
 
 
 
 


Der flexible Drachen wird an sorgfältig gespannter 
und ausbalancierten Fangleinen eingeholt. 
Der Schwanz sorgt dafür, 
daß der Drachen immer gegen den Wind steht.
 


Bei einem indischen Kampfdrachen aus Bambus 
und Reispapier sind die Kanten rasiermesserscharf 
und schlitzen andere Drachen auf .
 


 

Biegsamer Drachen. 

Dieser Drachen ist in seinem Aufbau so ziemlich das Einfachste, was überhaupt möglich ist. 
Er besteht aus einem Stück Azetat- oder Aluminium-Folie und wird an einer Angelrute gestartet. 
In einer steifen Brise bläst er sich wie ein Fallschirm auf und wird durch ein 150 cm langen Schwanz am Wind gehalten. 
Am Ende des Schwanzes befindet sich eine Troddel aus Folienstreifen. 
Die Folie wird auf Maß und Form geschnitten und die Löcher für die Schnüre ausgestanzt. 
Danach wird die Folie der Länge nach gefaltet und gefalzt, damit nach dem Ausbreiten ein scharfer Bug stehen bleibt. 
Der Knotenpunkt der sechsteiligen Waage befindet sich ungefähr 30 cm vor der Drachenfläche.