Hugo Nikel und sein Treppendrachen
1899 ließ Hugo Nikel seinen Treppendrachen (8x4 mtr.) erfolgreich mit meteorologischen Instrumenten steigen.
Nikel wird nur mit " k " nicht mit " ck " geschrieben wie es in vielen Berichten geschrieben worden ist.
Die ungemein günstigen Erfolge, welche mit hohen Aufstiegen zwecks Erforschung der höheren Luftschichten
namentlich in Amerika, in letzter Zeit aber auch in Deutschland erzielt wurden, haben mich veranlaßt die verschiedenen
bisher bekannten Drachensysteme zu studieren, um schließlich jene Konstruktion, deren Prinzip Herr Kreß bei
seinen Drachenfliegern anwendet, einer eingehenden Erprobung zu unterziehen.

Indem ich im nachfolgenden den neukonstrierten Drachen vorführe, sage ich noch an dieser Stelle meinem geschätzten Freunde, dem Herrn Ingenieur Kreß, für seine wertvollen Ratschläge zum Bau dieses Drachens meinen verbindlichstenDank.Der neue Drache ist nach dem bewährten Prin-zip der Flächenteilung konstruiert und zum Unterschiede beinahe aller bis jetzt ge-bauten Dra-chen mit Ausnahme des Kreß´Schen mit einem Doppelsteuer, d. h. einem horizontalen und einem vertikalen, versehen. Seine Dimensionen sind: Länge 8 m, Breite 4 m, Gesamt-fläche 12,2 m. Derselbe besteht aus 2 mäßig in der Drachenebene gebogenen Fichtenstäben und beiderseits darauf befestigten senkrechten Querstäbchen, welche - untereinander und mit den beiden Stäben durch ein brückenartiges Gitterwerk aus Stahldraht verbunden - die Achse bilden und derselben eine große Steifheit verleihen. Auf der Achse sind in bestimmten Abständen 6 Paar flügelförmige, aus mit Shirting und Weidenrute hergestellte Drachenflächen angebracht, welche wieder untereinander mit der Achse und mit den beiden Steuern fest verbunden sind. Trotz einer ganz bedeutenden Festigkeit beträgt das Gewicht des Drachens bloß 7,5 kg.
Die ersten Versuche wurden am 19. August auf dem nächst Krzeszowice (in Galizien) östlich gelegenen Hügel Vinica vorgenom-men. Es wehte ein mäßiger nordost dessen Geschwindigkeit zwischen 3-5 m schwankte.
Schon beim Transport konnte man die ganz bedeutende Hebekraft des Drachens wahrnehmen. Oben angelangt,
wurde der horizontal bewegliche und mit einer Bandbremse versehene Haspel an einem in die Erde getriebenen
Pfahl befestigt und von der auf 100 kg Zug erprobten Leine in der Windrichtung ca. 100 m abgewickelt.
Nachdem der Drache angebunden und die Leine straff gespannt war, wurde er mit der Spitze von der Erde
langsam gehoben. Schon bei einem Neigungswinkel von 45% erhob er sich rauschend in die Höhe und blieb
der Drache bei steiler Leine vollkommen ruhig stehen. Nun konnte die Leine langsam nachgelassen werden und
stieg der Drache auf ihre ganze Länge von 340 m.
Überraschend war der erste Aufstieg hauptsächlich deshalb weil die sogenannte Waage sich selbst unter den
güstigsten Winkel einstelle, was ich einfach auf die Art erzielte, daß der Knoten der rückwärti-gen Waagenschnur
nicht festgeknüpft, sondern verschiebbar befestigt wurde. Nebstbei sei noch erwähnt daß eine Ausbalancirung des
Drachens überhaupt nicht vorgenommen wurde und die Ruhe und Stabilität nur der genau symmetrischen Bauart zu verdanken war.

Zur Sicherheit des Landens habe ich am Steuerhals eine 10 m lange, frei herabhängende Schnur befestigt, welche
sich vortrefflich bewährte, da der Drache durch flaches Niederlegen vor Beschädigungen bewährt blieb.
Es ist auch bei den vielen Versuchen nicht ein einziger Unfall beim Landen vorgekommen, und ist seine Sicherheit
beim Aufstieg, seine Ruhe und Stabilität hoch oben, sowie die Gefahrlosigkeit beim Landen eine außerordentliche. Einmal bloß brach eine Drachenfläche durch Unachtsamkeit, indem der Drache, ohne mit Steinen beschwert worden
zu sein, frei am Felde liegengelassen wurde. Ein plötzlicher Windstoß erhob und schleuderte ihn jählings gegen einen
Steinhaufen, was ihm so sehr übel bekam. Da indessen ein DrachenVerbandzeug vorsichtshalber mitgenommen wurde
konnte diese Fraktur auch sofort behoben werden konnte.
Ein gewisses Interesse dürften noch die Versuche mit dem sogenannten Wetterschießen erwecken, welches auch mit Drachen erprobt wurde.
Der Vorgang hierbei war folgender:
Der Drachen wurde durch fortschreitendes Herunterdrücken der Leine so nahe zur Erde gebracht, daß die
Landungsschnur ergriffen werden konnte. Durch Befestigung von adjustrieten Dynamitpatronen hintereinander an
dieselbe wurde nach Anbrennen der abgezweigten Zündschnüre der Drache wieder hochgelassen. Erst in voller Höhe
explodierten die Patronen nacheinander unter scharfen Detonationen, wobei jeder Knall mehrere Sekunden
andauerndem, donnerähnlichen Rollen begleitet war. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß der Drache auch zum
persönlichen Gleitflug verwendet worden ist, welcher durch Absprung von ca. 8 m hohen Terrainstufen - nach
genommenen Anlauf - eingeleitet, selbst bei Windstille Strecken bis 30 m anstandslos durchzufliegen ermöglichte.Durch die günstigen Ergebnisse ermutigt, gehe ich eben daran, einen so großen Drachen nach System zu konstruieren,daß derselbe schon bei einem Wind von 8 - 10 m das Hochnehmen einer Person ermöglicht und so dem Fesselballon
ernstliche Konkurrenz zu bereiten anfangen dürfte.